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Frankfurter Börsenbrief
 

Frankfurter Börsenbrief vom 24.4.2021/Beispielbrief


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Zur aktuellen Marktlage:
Die Berichtssaison in den USA als wichtiger fundamentaler Taktgeber kann sich bisher sehen lassen, auch wenn zum Redaktionsschluss lediglich knapp 10 % der Unternehmen im S&P 500 ihre Q1-Bilanzen präsentiert haben.


Allen voran die Banken, die mit starken Ergebnissen aufwarten konnten. Nach aktuellem Stand haben bisher 88 % der Unternehmen die Umsatzerwartungen übertroffen und immerhin noch 81 % die jeweiligen Gewinnerwartungen. Das sind Top-Werte. Insgesamt zeichnet sich ein Gewinnwachstum von gut 30 % ab. Diese Entwicklung ist allerdings auch notwendig, da die Erwartungshaltung des Marktes angesichts der Rally sehr hoch ist.

Entspannung kommt indes von der Zinsfront: Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen setzten von ihren 14-Monats-Hochs bei 1,77 % bis auf 1,52 % zurück. Das erfolgte in einem Umfeld, in dem die US-Konjunkturdaten die Erwartungen fast ohne Ausnahme übertrafen. Es ist davon auszugehen, dass die Fed mit dosierten Anleihekäufen den Zins zu kontrollieren versucht, gleichzeitig wird man eine etwas höhere Inflation (siehe auch analog dazu Chart der Woche) tolerieren. Am Donnerstag nach Redaktionsschluss tagt die EZB. Wir gehen davon aus, dass es hier keine neuen Erkenntnisse hinsichtlich Zinspolitik und Anleihekaufprogramm (PEPP) geben wird.

Ein Unsicherheitsfaktor ist die politische Lage in Deutschland, nachdem sich die CDU für Armin Laschet als Kanzlerkandidat entschieden hat - gegen jegliche Mehrheiten aus der politischen Basis. Die Quittung kam prompt mit den Umfragewerten, die aktuell Annalena Baerbock von den Grünen vorne sehen. Das sind sicherlich Momentaufnahmen, fest steht, dass eine grüne Kanzlerin ein Novum in Deutschland wäre und wirtschaftspolitisch sowie mit Blick auf den Kapitalmarkt ein herber Rückschlag. Daher muss man sich darauf einstellen, dass der Markt in den Sommer hinein schwankungsanfälliger wird. Vor diesem Hintergrund investieren wir in den Depots nur selektiv (wie im Falle von BYD) und halten etwas Cash in der Hinterhand - rund 22 % im spekulativen Musterdepot.

Inhalt:

DAX
Mit Konsolidierungsbedarf

Allianz
4,4 % Dividende locken

Steico
Im Nachhaltigkeitstrend

Amalphi
Mini-SAP für Ärzte

Bitcoin Group
Günstige Variante zu Coinbase

Valneva
Neuer Corona-Impfstoff

Konservatives Musterdepot    
BYD wird neu gekauft

Spekulatives Musterdepot
Bitcoin-Sturz nach Rekordrally 

DAX
DAX: Konsolidierung voraus?


Der DAX konnte in den vergangenen Wochen angesichts der Konjunktureuphorie deutliche Zugewinne verzeichnen. Kurzfristig ist der Index jedoch überhitzt, sodass eine Konsolidierung nicht auszuschließen ist. Beim Blick auf den Kursindex wird deutlich: Es kommt darauf an, dass der Index die Ausbruchsmarke bei 6.444 Punkten behauptet. Andernfalls entpuppen sich der Ausbruch und damit das Kaufsignal als technisches Fehlsignal, dem sich nicht selten eine deutliche Bewegung in die Gegenrichtung anschließt. Die nächste Unterstützung wartet bei 6.135 Punkten, in diesem Bereich läuft auch der Aufwärtstrend. Man muss sich auf eine Konsolidierung in der Größenordnung von rund 5 % einstellen.

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Allianz: Vorsichtiger Optimismus


Zuletzt ist der Optimismus bei Europas größtem Versicherungskonzern deutlich gestiegen. Für 2021 peilt die Allianz einen Anstieg des operativen Gewinns auf 11 bis 13 Mrd. € (2020: 10,5 Mrd. €) an, während der Umsatz moderat zulegen soll (2020: 140,5 Mrd. €). Belastungsfaktoren wie Corona, der schwache Dollar und die niedrigen Zinsen hat Allianz-Chef Oliver Bäte dennoch im Blick und weist der Impfkampagne eine zentrale Rolle für die weitere wirtschaftliche Erholung zu. Bei einem hohen Abwärtsrisiko prognostiziert die Allianz ein Plus von 4,6 % beim Bruttoinlandsprodukt. Von diesem Rückenwind sollen 2021 auch die Unternehmensbereiche des Konzerns profitieren, allen voran die im Vorjahr gebeutelte Schaden- und Unfallversicherung (prognostizierter Erlöszuwachs 6 %). Die Sparte Assetmanagement mit Pimco und Allianz Global Investors soll bei einer komfortablen Cost-Income-Ratio von 62 % moderat zulegen, während die Lebens- und Krankenversicherung wegen der Ausrichtung auf profitables Wachstum einen Erlös auf Vorjahresniveau erwartet. Am 12. Mai präsentierte der DAX-Konzern seine Q1-Zahlen. Falls sie positiv ausfallen, könnte die Allianz ihr Aktienrückkaufprogramm wieder aufnehmen. Auch die Dividende, die mit 9,60 € auf Vorjahresniveau liegt, ist ein weiterer Pluspunkt. Jüngst hat die Privatbank Berenberg das Kursziel für die Allianz auf 250 € angehoben. Wir schließen uns dem an und positionieren uns mit einem Kauflimit bei 212,50 €.

DEUTSCHLAND
Steicos Holzfaser-Dämmsysteme stoßen auf immens hohe Nachfrage.


Daher baut das Unternehmen in Polen am Standort Gromadka bis Ende 2022 für 75 Mio. € drei neue Produktionslinien auf. Die geplante Jahreskapazität erreicht 1 Mio. Kubikmeter für flexible und 500.000 Kubikmeter für stabile Dämmplatten. Auf spätere Erweiterungen ist man von Beginn an vorbereitet. Steico baut auch an anderen Standorten die Kapazitäten aus und investiert kräftig.
Der Dämmstoffmarkt wächst ordentlich. 2020 waren es + 2,2 % (Quelle: Branchenradar Dämmstoffe), die Zunahme wird sich noch etwas beschleunigen, die ökologischen Dämmstoffe hatten im vorigen Jahr einen Anteil von 6,6 % am Umsatz, das ist ausbaufähig. Steico steigerte in 2020 den Umsatz auf 308,8 Mio. € (vorläufige Zahl, + 9,9 %) und könnte 2023 sogar auf 400 Mio. € kommen. Für das erste Quartal 2021 wurde bisher ein Umsatzplus von 12 % auf mehr als 83 Mio. € genannt. Im zweiten Quartal wird man von weiteren Preiserhöhungen profitieren, die in der aktuellen Marktlage durchsetzbar sind.
In den vergangenen zwölf Monaten schaffte Steico ein Kursplus von 170 %. Der Börsenwert liegt nun bei 1,05 Mrd. €, das ergibt ein KGV von 34 auf Basis 2022 sowie eine rund 6-fache Eigenkapital-Bewertung. Eine Enttäuschung bei den endgültigen Quartalszahlen am 28. April wäre ein Glücksfall. Kauf bei einem Rücksetzer auf 67 €.
Amalphi: Kleine Ärzte-SAP startet


Die Digitalisierung wurde in Deutschland vernachlässigt und ist ein Dauerthema. Bei der Digitalisierung von Arztpraxen hat die Amalphi AG große Ambitionen. Durch die Einbringung des Softwarespezialisten medondo per Reverse-IPO stellt sich die Gesellschaft neu auf. Deren Software deckt alle wichtigen Prozesse einer Praxis in einer Plattform ab, von der Abrechnung, der Terminplanung bis zu Personal und medizinischen Belangen. Man könnte die Firma als „bessere CompuGroup“ titulieren. Der Betrieb der Software läuft per Nutzung in der Cloud. Aufseiten der Ärzte heißt das Planbarkeit, sinkende Kosten in der Verwaltung und dank weniger Abrechnungsfehlern höhere Erlöse und damit mehr Umsatz. Kosten für die Nutzung: 0,89 % des Praxisumsatzes. Die Markteinführung in der DACH-Region läuft gerade an. Allein in Deutschland setzt die Branche gut 100 Mrd. € um, ein Drittel davon bei Zahnärzten, wo medondo ein Umsatzpotenzial von gut 70 Mio. € bei 25 % Marktanteil hat. Weitere 30 Mio. sollen von sonstigen Praxen kommen. Das ist die Umsatzperspektive per 2026/27.
In etwa 3 Jahren sollen 30 Mio. € Umsatz und ein Gewinn je Aktie von 0,60 € machbar sein. Börsenwert aktuell rund 50 Mio. €. Branchenüblich sind KGVs um 20 und damit Kurse jenseits von 10 €, was einer Verdoppelung entsprechen würde. Die Firma steckt zwar noch in den Kinderschuhen - ein Investment ist entsprechend spekulativ, aber zugleich auch hochinteressant.

INTERVIEW
Bitcoin Group: Günstiger als Coinbase


Die Bitcoin Group hatten wir bereits in FB 12/2021 im Vorfeld des Coinbase-IPO als günstigere Kaufoption thematisiert. Der geschäftsführende Direktor der größten europäischen Krypto-Plattform, Marco Bodewein, stand dem FB für ein Interview zur Verfügung.

FB: Sie haben mit den vorläufigen Erlösdaten bei der Tochter futurum bank bzw. bitcoin.de mit Provisionserlösen von 8,5 Mio. € im ersten Quartal positiv überrascht. Woher kommt die gute Entwicklung, von einer höheren Handelsaktivität oder einem starken Kundenzuwachs?

Marco Bodewein: Eine Kombination aus beidem. Die Handelsumsätze wachsen naturgemäß mit einem Anstieg der Kryptokurse, dies zieht entsprechend neue Kunden nach. Natürlich spielt uns auch die Kursentwicklung in die Karten. Wenn ein Kunde einen Bitcoin für 50.000 € verkauft, ist der Provisionsertrag selbstverständlich 5x höher, als wenn der gleicher Kunde diesen Bitcoin für 10.000 € verkauft.
 
Können Sie quantifizieren, wie sich das Geschäft mit institutionellen Kunden dabei ausgewirkt hat?
Der letzte Anstieg kommt hauptsächlich aus dem Retailgeschäft, wobei auch das institutionelle Geschäft gut anläuft.
 
2020 hatten Sie operative Kosten von 4,5 Mio. €. Werden diese 2021 signifikant höher ausfallen oder in etwa auf demselben Niveau bleiben?
Zum jetzigen Zeitpunkt rechnen wir nicht mit einer signifikanten Steigerung der Kosten. Der größte Posten sind die Personalkosten, den wir für unsere hochqualifizierten Mitarbeiter gern aufwenden. Aber das Geschäft skaliert sich nicht eins zu eins über das Personal.

Die erfreuliche Entwicklung führt auch zu einem deutlichen Cashzufluss. Was machen Sie mit dem zu erwartenden Free-Cash?
Unsere Liquiditätsausstattung ist, wie Sie richtig bemerken, sehr komfortabel. Trotz allem darf man nicht vergessen, dass wir uns weiter in einer Pandemie befinden und hohe Liquiditätsausstattung auch hohe Sicherheit für uns und unsere Aktionäre bedeutet. Zudem vereinnahmen wir nicht alle Provisionserlöse in Cash, sondern auch in Kryptowährung, die wir langfristig strategisch halten. Denn auch wir glauben wie Tesla und MasterCard daran, dass Bitcoin und Co. gekommen sind, um zu bleiben. Aber falls sich eine gute, sinnvolle Ergänzung des Portfolios ergibt, wollen wir diese ergreifen. Umso schöner, wenn man dies aus dem Cashflow bestreiten kann.
 
Sie hatten für das 2. Quartal ein neues Handelssystem angekündigt. Wie steht es damit, sind Sie mit der Einführung im Zeitplan?
Wir sind in den letzten Zügen. Da wir hierzu ergänzende AGB erstellen mussten, warten wir noch auf die finale juristische Freigabe. Sobald diese vorliegt, gehen wir in die Einführung.
Ein Großteil der Börsenkapitalisierung, gut zwei Drittel, ist durch Ihren Kryptobestand abgedeckt. Die Aktionäre haben davon allerdings aktuell nur bedingt etwas. Wäre etwa ein Partizipationstoken oder eine anderweitige Tokenisierung eine Option für Sie?


Das ist sicherlich eine Option. Den Weg des Kraken-Fee-Tokens sehe ich nicht, da nicht alle User auch Aktionäre sind - und umgekehrt. Der Binance-Coin ist ja durchaus eine Erfolgsgeschichte und steht derzeit auf Platz 3 in der Marktkapitalisierung von allen bekannten Coins. Jedoch würde eine Ausgabe eines Tokens ja auch eine Verwässerung der Aktien bedeuten, was zu Recht von der Aufsicht mehr als kritisch gesehen werden würde. Trotzdem würde ich es als nicht so negativ für die Aktionäre sehen. Setzen Sie doch die Kryptowährung dem Umlaufvermögen gleich, was sie definitiv ist, da wir täglich veräußern könnten, und vergleichen die Bitcoin Group dann mit anderen Werten aus den etablierten Geschäftszweigen. So ein hoher Eigenbestand an sofort veräußerbaren Werten plus Cash bei den gleichzeitigen hohen Wachstumsaussichten ist absolut selten. Da müssen wir ja fast aufpassen, dass Warren Buffett uns nicht als berühmten “Zigarrenstummel” tituliert.
 
Ihr Kryptobestand ist auch so etwas wie ein Back-up, falls Ihre Plattform und die „Hot Wallets“ gehackt werden sollten - welches Volumen ist derzeit „hot“, inwieweit verändert sich diese Quote?
Aus Sicherheitsgründen kann ich Ihnen hier keine allzu detaillierte Antwort geben, wir halten aber seit Jahren nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz der bei uns verwahrten Bestände in Hot Wallets.
 
Welche Erwartungen haben Sie an das laufende Jahr nach dem erfreulichen Auftakt?
Für uns darf das Jahr gerne weiter so positiv verlaufen. Letzten Endes erwarten wir auch weiterhin deutlich steigende Kurse in Kryptowerten. Allerdings wird es auch immer wieder einmal temporäre Rückschläge wie beispielsweise Mitte April geben. Langfristig gesehen sind Kryptowerte für uns nach wie vor ein absoluter Kauf.

Fazit: Unsere positive Sichtweise zur Aktie wurde noch einmal bestärkt. Das eigentliche und Cash-generierende Geschäft gibt es angesichts des hohen Kryptobestands von rund zwei Dritteln der Börsenkapitalisierung fast geschenkt. Kaufen!

EUROPA
Valneva: Neuer Corona-Impfstoff als Kurstreiber


Das französisch-österreichische Biotech-Unternehmen hat jüngst die dritte klinische Testphase für seinen Covid-19-Impfstoff VAL2001 gestartet. Wenn alles glatt läuft, könnte das Vakzin im Herbst auf den Markt kommen. Während die EU noch über die Konditionen verhandelt, haben die Briten schon zugeschlagen und sich bis 2025 bis zu 190 Mio. Impfdosen gesichert. Valneva, das 2013 aus der Fusion von Intercell und Vivalis entstanden ist, hatte sich vor Corona auf Impfstoffe gegen Reisekrankheiten wie Cholera und Tollwut konzen-triert. Dieses Stammgeschäft wurde 2020 durch die mit Corona einhergehenden Reisebeschränkungen erheblich belastet. VAL2001 schafft damit für den Impfstoffhersteller eine neue, interessante Geschäftsperspektive. Ein wichtiger Vorteil von VAL2001 ist dabei, dass das Vakzin als sogenannter Totimpfstoff schnell an die diversen Mutationen von Corona angepasst werden kann. Für das laufende Jahr sind für Valneva eine Verdreifachung des Umsatzes und ein operativer Gewinn im hohen zweistelligen Bereich möglich. Laut dem deutschen Valneva-Chef Thomas Lingelbach soll diese Ergebnisdynamik 2022 weiter ansteigen. Anfang Februar hatte die Aktie ein Allzeithoch bei 15,60 € erreicht. Die noch laufende Konsolidierung kann dabei als Einstieg genutzt werden. Auch empfehlen wir einen gestaffelten Einstieg (50 % billigst und 50 % mit Kauflimit 10,05 €).

KONSERVATIVES MUSTERDEPOT
Magna setzt Meilenstein in China


Unabhängig von den Gerüchten um das Apple-Car befindet sich Magna im wichtigsten E-Automarkt China auf Erfolgskurs. Magnas Joint Venture mit Jiangling Motors feierte einen wichtigen Meilenstein und produzierte das 100.000ste eDrive-Getriebe. Das Magna-Werk in Jiangxi begann 2018 mit der Produktion von eDrive-Getrieben. Die Magna-Entwicklung ist in verschiedenen Fahrzeugmodellen von Limousinen bis hin zu SUVs für mehrere chinesische Automobilhersteller zu finden, darunter Nio und Xpeng (XPEV). Unmittelbar nach dem Erreichen des Produktionsmeilensteins für die eDrive-Getriebe hat Magna einen weiteren Auftrag eines chinesischen E-Auto-Start-ups erhalten.

Auf der diesjährigen Shanghai Auto Show steht einmal mehr die Elektromobilität im Mittelpunkt. Der chinesische Markt ist der Taktgeber schlechthin für den unaufhaltsamen Trend in Richtung batteriegetriebener Fahrzeuge und bietet Wachstumschancen in allen Klassen. Die Verkäufe von sogenannten New Energy Vehicles (NEV) liegen in China erst bei knapp unter 5  % des Gesamtmarktes. Der Markt beschleunigt allerdings massiv, das jährliche Wachstum liegt im mittleren bis hohen zweistelligen Prozentbereich. Die Wachstumsprognosen für die kommenden Jahre (siehe Grafik) machen deutlich, dass die von der chinesischen Regierung angepeilte 20-Prozent-Marke bis zur Mitte des Jahrzehnts locker erreicht werden kann.

Davon profitiert die gesamte Branche, wobei in Sachen Wachstum vor allem zwei chinesische Vertreter herausragen: Die als Technologie-Start-ups hochgezogenen chinesischen Elek-troautobauer Nio und Xpeng, ihres Zeichens auch Kunden von Magna. Nio konnte im ersten Quartal mit gut 20. 000 verkauften Fahrzeugen den Absatz um 420 % steigern, während Xpeng mit 13 .300 verkauften E-Autos auf ein Plus von 490  % kam. Neue Kunden und gleichzeitig wachsende Volumina bei Bestandskunden sprechen für anhaltend hohes Wachstum bei Magna. Ein KGV von 11 per 2022 bzw. 9 auf Basis der Gewinnschätzungen für 2023 spricht eine klare Sprache: Hier geht noch einiges.
BYD wird neu gekauft


Was für Magna als Auftragsfertiger gilt, trifft auch auf BYD als Platzhirsch auf dem chinesischen Automarkt zu. BYD stößt mit seinem Angebot in den gehobenen Bereich vor und ist in China First Mover für sogenannte New-Energy-Vehicles und ein Volumenanbieter im Stil von VW. Dass BYD von der wachsenden Nachfrage nach Premium-NEVs in China profitieren wird, ist als sicher anzunehmen. Mit dem Ausbau der Batteriekapazitäten partizipiert BYD auch an der wachsenden Nachfrage nach Batterien, nicht nur dank Chinas starken regulatorischen Impulsen für die Elektrifizierung, sondern auch durch die wachsende weltweite Nachfrage. Wir stellen bei BYD nach der Korrektur um rund 40 % einen Fuß in die Tür und kaufen billigst eine Position von 1.000 Aktien, zumal auch die Indizes gemessen am CSI 300 bzw. Hang Seng die fällige Korrektur absolviert haben.

Geplante Transaktion:



Barrick Gold: Erstes Kaufsignal aktiv


Barrick Gold befindet sich mit Blick auf die Produktionsziele für das Jahr 2021 voll auf Kurs. Die Aktie konnte auch nach der Vorlage der vorläufigen Q1-Produktionszahlen bereits leicht zulegen. Bezogen auf unseren Einstieg liegen wir 4,3 % in Front. In den ersten drei Monaten produzierte Barrick 1,1 Mio. Unzen Gold und 93 Mio. Pfund Kupfer. Abgesetzt hat man im 1. Quartal 1,09 Mio. Unzen Gold und 113 Mio. Pfund Kupfer bei einem durchschnittlichen Marktpreis für Gold in Höhe von 1.794 $/Unze und bei Kupfer zu 3,86 $/Pfund. Im Jahresvergleich verzeichnete man zwar einen leichten Produktionsrückgang - im Vorjahresquartal produzierte Barrick 1,3 Mio. Unzen Gold und 115 Mio. Pfund Kupfer. Das entspricht allerdings dem Produktionsplan und ist auf die Weiterentwicklung der Minenreihenfolge bei zwei Minen (Carlin und Cortez) sowie auf niedrigere Gehalte in der Liegenschaft Pueblo Viejo zurückzuführen. Die Goldproduktion im 2. Halbjahr 2021 wird gemäß Plan höher sein als im 1. Halbjahr. Gleichzeitig erwartet man etwas höhere Kosten gegenüber dem Wert aus dem 4. Quartal. Die sogenannten All-in Sustaining Costs pro Unze werden bei 1.003 bis 1022 $ erwartet statt 929 $ im 4. Quartal 2020.

Das erste Kaufsignal bei der Aktie mit dem Sprung über 21,34 $ ist bereits im Markt. Um 22,25 $ liegt die nächste horizontale Hürde. Die 25-$-Marke ist das nächste Zwischenziel, sobald dieser Widerstand fällt.

Depot:




SPEKULATIVES MUSTERDEPOT

Depot:



Bitcoin: Sturz nach Rekord


Nachdem der Bitcoin einige Tage oberhalb von 60.000 $ neue Rekordkurse markierte, stürzte er auf zeitweise rund 50.000 $ ab. Die heftige Korrektur zog sich durch den gesamten Krypto-Sektor und erfasste auch andere beliebte Kryptowährungen wie Ether. Eine Korrektur war längst fällig, nachdem das Coinbase-IPO etwas zu viel Euphorie mit einem neuen Rekordhoch bei knapp 65.000 $ in die Szene brachte. Es machte aber auch ein Gerücht die Runde, wonach das Finanzministerium mehrere Finanzinstitute wegen der Verwendung von Kryptowährungen zur Geldwäsche anklagen wolle. Dieses entpuppte sich allerdings als falsch. Es reicht jedoch, um die immer wieder aufkeimende Angst vor einer überbordenden Regulierung von Kryptowährungen neu zu befeuern. Hinzu kam ein Stromausfall in China, der einen fast 50-prozentigen Rückgang der Bitcoin-Hash-Rate nach sich zog. Die Hash-Rate ist die Messeinheit für die Verarbeitungsleistung des Bitcoin-Netzwerks. Der Bitcoin hat sich von seinen Tiefs bereits wieder erholt. Solche Schwankungen gehören dazu, wir fahren bei unserer Krypto-Wette weiter mit.
Alussa: Zähe Entwicklung


Für den finalen Merger der SPAC mit Freyr fehlt nach wie vor die Zustimmung des Alussa-Aufsichtsrats. Das ist Formsache. Wir gehen davon aus, dass mit dem finalen offiziellen Zusammenschluss wieder mehr Leben in die Aktie kommt. Unabhängig davon arbeitet Freyr mit Hochdruck an weiteren Abnahmevereinbarungen mit Kunden aus allen Zielsegmenten. Die Hersteller von Elektrofahrzeugen und andere Abnehmer sind auf kostengünstige und CO2-optimierte Versorgung mit Batteriezellen angewiesen, um die Energiewende zu beschleunigen. Die Entwicklung von Freyrs Pilot- und Kundenqualifizierungsanlage schreitet voran, die voraussichtliche Fertigstellung ist in der ersten Jahreshälfte 2022 in Mo i Rana, Norwegen, vorgesehen. Die Ausschreibungen für die gesamte Produktionsausrüstung sind bereits raus. Insofern liegt man voll im Plan. Die Aktie notiert aktuell auf Cashniveau, sodass nach unten nichts mehr passieren sollte.
PVA TePla: Q1-Zahlen Anfang Mai


Beim Halbleiterausrüster PVA TePla wird es Anfang Mai wieder spannend. Am 5. Mai präsentiert das Unternehmen die Zahlen für das erste Quartal. Angesichts der hohen Nachfrage dürften diese ähnlich gut ausfallen wie die Zahlen zum vierten Quartal. In der vergangenen Woche war das Management mit der Investmentbank Berenberg auf Roadshow. Berenberg-Analyst Gustav Froberg stuft PVA TePla mit „Buy“ ein. Frobergs Kursziel liegt bei 31 €, was gut 25 % Kurspotenzial impliziert. Technisch ist der Wert angesichts der laufenden Marktkorrektur etwas angeschlagen. Der Aufwärtstrend ist allerdings noch intakt, sodass kein Handlungsbedarf besteht. Aus der Branche und vor allem von Kundenseite kommen gute Nachrichten. So hob zuletzt auch Kunde Siltronic den Ausblick für das Gesamtjahr 2021 an. Siltronic rechnet 2021 mit einer Steigerung der abgesetzten Waferfläche von mindestens 15 % statt von 8 bis 12 %. De Zahlen zum ersten Quartal fielen bei Siltronic ebenfalls gut aus. Insofern stimmen auch für unseren Musterdepotwert die grundsätzlichen Rahmenbedingungen. Wir bleiben daher mit Zuversicht dabei.
Siemens Energy: Technisch angeschlagen


Der Nachrichtenfluss bei Siemens Energy geht in die richtige Richtung. Der Konzern hat mit dem Energieministerium des Landes eine Absichtserklärung unterzeichnet. Sie enthält einen Fahrplan für gemeinsame Projekte, unter anderem für neue Stromerzeugungsanlagen und Wasserstoff-Projekte. Zudem hat man vom Netzbetreiber Amprion einen Auftrag für sogenannte STATCOM-Anlagen erhalten, die für den Spannungsausgleich im Stromnetz im Zuge des Kohle- und Atomausstiegs unerlässlich sind. Amprion investiert 180 Millionen Euro in diese Technologie. Dennoch ist die Aktie charttechnisch angeschlagen: Der Wert ist auf ein neues Tief abgerutscht, was für eine Fortsetzung der Konsolidierung spricht. Unser Stop liegt bei 27,50 €. Bitte beachten!

ETF-MUSTERDEPOT

Depot:




Neuer Schub für regenerative Energien?


Die ETFs auf Solar und China Clean Energy sind seit Wochen im Konsolidierungsmodus. Ein von US-Präsident Joe Biden einberufener Gipfel könnte nun neuen Schwung in die Branche bringen. Zum Tag der Erde am 22. April hat Biden 40 Staats- und Regierungschefs zu einem virtuellen Klimagipfel eingeladen. Was dabei herauskommt, ist offen. Es wird gemutmaßt, dass er die Halbierung des Treibhausgasausstoßes bis 2030 als nationales Klimaziel bekannt geben wird. In diesem Fall ist auch davon auszugehen, dass Länder wie Japan und Kanada dem Vorbild folgen und ebenfalls höhere Zielmarken ausgeben. Bemerkenswert: Trotz des angespannten Verhältnisses zwischen den Ländern nimmt auch China als weltgrößter Treibhausgas-Emittent mit teil. Je nach Ausgang des Gipfels könnten Aktien aus dem Bereich Erneuerbare Energien den nötigen Schub bekommen, um die Konsolidierung zu beenden. Viele Titel aus den Bereichen Solar und Wind notieren nach dem Rücksetzer im Februar deutlich unter ihren Höchstständen vom Jahresanfang.

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Redaktion:


Markus Horntrich (verantwortlich),
Helmut Gellermann,
Georg Sures


Kurs-Charts werden zum Großteil mit Unterstützung von Tai-Pan erstellt. Infos: https://tai-pan.lp-software.de/bernecker

Alle Empfehlungen, alle Limits, alle Stops der Frankfurter Börsenbriefe gelten beginnend für den jeweils kommenden Montag auf unbestimmte Frist. Bei allen Empfehlungen ausländischer Werte raten wir grundsätzlich, an der Heimatbörse zu kaufen.

Der Frankfurter Börsenbrief erscheint wöchentlich in der Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH, Theodor-Heuss-Str. 1, 32760 Detmold. Monatlicher Bezugspreis 41,00 €. Jahresvorzugspreis 451,00 € (jeweils inkl. Porto und MwSt.). Kündigung: 6 Wochen zum Quartalsende. Die Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist nicht erlaubt. Kein Teil darf (auch nicht auszugsweise) ohne unsere ausdrückliche vorherige schriftliche Zustimmung auf elektronische oder sonstige Weise an Dritte übermittelt, vervielfältigt oder so gespeichert werden, dass Dritte auf sie zugreifen können. Jede im Bereich eines gewerblichen Unternehmens veranlasste (auch auszugsweise) Kopie, Übermittlung oder Zugänglichmachung für Dritte verpflichtet zum Schadensersatz. Dies gilt auch für die ohne unsere Zustimmung erfolgte Weiterverbreitung. ALLE RECHTE VORBEHALTEN. Der Inhalt ist ohne Gewähr. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Deshalb dienen alle Hinweise der aktuellen Information ohne letzte Verbindlichkeit, begründen also kein Haftungsobligo. Weitere rechtliche Hinweise zu dieser Publikation finden Sie auf unserer Internetseite www.frankfurter-boersenbrief.de unter „Kontakt/Impressum“. Gewinn- und Dividendenschätzungen bei Aktien aus dem Deutschland-Teil dieses Briefs beruhen (außer bei anderslautender Kennzeichnung) auf Angaben von www.finanzen.net bzw. FactSet. Angaben zu der Aktien-Marktkapitalisierung deutscher Unternehmen basieren im Regelfall auf Angaben der FactSet Digital Solutions GmbH oder eigenen Berechnungen. Zum Nachhaltigkeitsverständnis beachten Sie bitte die Erläuterungen auf der Website des Frankfurter Börsenbriefs.

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