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Wie gut kehrt Beiersdorfs neuer Besen?


Wenn ein Vorstandschef seinen Posten räumt, präsentiert er zum Abschluss gerne noch einmal glänzende Zahlen. Mit den auf den nächsten Gewinnausweis verschobenen Problemen darf sich dann oft sein Nachfolger herumschlagen. Hat dieser Mechanismus auch beim Abgang von Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich gegriffen oder sind hier keine bösen Überraschungen zu erwarten? Wir werfen einen Blick auf die Herausforderungen, denen sich der neue Vorstandschef Stefan De Loecker künftig bei dem Nivea-Konzern stellen muss.

Heidenreichs Bilanz kann sich sehen lassen. Mitte Oktober verkündete der Aufsichtsrat von Beiersdorf, dass der bisherige CEO bereits zum 1. Januar 2019 durch den bisherigen stellvertretenden Vorstandschef Stefan De Loecker ersetzt wird. Eigentlich wäre Heidenreichs Vertrag noch bis Ende 2019 gelaufen. Der nüchterne Text der Mitteilung ohne große Dankesworte deutete ein mögliches Zerwürfnis zwischen Heidenreich und der Herz-Familie an, die über ihre Investmentholding Maxingvest AG mit 51,1 % an Beiersdorf beteiligt ist. Heidenreich widersprach dem aber selbst deutlich und die Dankesworte holte der Aufsichtsrat später nach. Der Ex-Vorstandschef kann dabei auf eine gute Bilanz zurückblicken: Rekordwerte bei Umsatz und Ergebnis führten seit Heidenreichs Amtsantritt im Jahr 2012 zu einer Verdoppelung des Börsenkurses auf bis rund 100 Euro. Aufsichtsratsmitglied Michael Herz traute Heidenreich aber offenbar nicht mehr zu, neue Impulse für das künftige Wachstums zu setzen.

Ein großer strategischer Umbruch ist vom neuen Vorstandschef Stefan De Loecker nicht zu erwarten. Der Belgier, der sein Handwerk bei Nestlé gelernt hat, gehörte seit 2014 dem Vorstand an und war vor seiner Beförderung für die Strategie und Unternehmensentwicklung sowie das erfolgreiche Geschäft in den Schwellenländern verantwortlich. Beiersdorf sei „ein herausragendes Unternehmen mit großem Potenzial“, ließ De Loecker zum Amtsantritt verlauten und bestätigte damit auch die gute Arbeit seines Vorgängers. Für De Loecker wird es in erster Linie darum gehen, die bestehende Konzernstrategie „Blue & Beyond“ weiter zu entwickeln. „Blue“ steht dabei für die erfolgreiche Konzentration und Internationalisierung der Kernmarke Nivea. Damit verbunden ist das Ziel, Beiersdorf als Nr. 1 in der Hautpflege zu etablieren. Neben der Kernmarke Nivea sind im Unternehmensbereich Consumer noch Marken wie Eucerin und La Prairie am Start. Im Bereich der Wundversorgung ist Beiersdorf mit Hansaplast international aufgestellt. Der Unternehmensbereich Consumer kam 2018 auf Basis vorläufiger Zahlen auf einen Umsatz von 5,89 Mrd. € (+ 5,0 % auf organischer Basis). „Beyond“ steht für den Unternehmensbereich Tesa, der innerhalb des Konzerns als eigenständiger Bereich agiert und selbstklebende Produkte und Systemlösungen anbietet. 2018 steigerte Tesa den Umsatz auf 1,34 Mrd. € und erreichte dabei ein organisches Umsatzwachstum von satten 6,8 %. Im Gesamtkonzern soll die Ebit-Marge 2018 das Vorjahresniveau von 15,4 % erreicht haben.

Der neue Vorstandschef will jetzt „wichtige strategische Weichen“ stellen. Einzelheiten dürften bei der Vorlage der Geschäftszahlen am 27.2. folgen. De Loecker wird sicherlich die Präsenz in den Schwellenländern weiter ausbauen. Zudem muss die Digitalisierung des Konzerns vorangetrieben werden, um beispielsweise Wachstumspotenziale im wichtigen chinesischen Online-Geschäft zu erschließen. Dabei muss De Loecker wie sein Vorgänger die Präsenz der Marke Nivea stärken, ohne Tesa zu vernachlässigen. Traditionell setzt Beiersdorf auf ein starkes organisches Wachstum und eine hohe Nettoliquidität (aktuell 4,5 Mrd. €). Ob hier Vorstandschef De Loecker neue Impulse in Form von Akquisitionen oder erhöhten Ausschüttungen für die Aktionäre setzen wird, bleibt eine spannende Frage. Bis sich der Horizont strategisch geklärt hat, verharren wir bei Beiersdorf weiter an der Seitenlinie.

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