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Deutschland
Jenoptik will nicht länger Mischkonzern sein.


Als Zulieferer auch des Militärs haben wir als auf Nachhaltigkeit fokussierter Börsenberater mit Jenoptik natürlich einige Bauchschmerzen. Allerdings sind die Präzisionsgeräte der Thüringer natürlich nicht tödlich, die Technologie aber umso beeindruckender, der ökonomische Erfolg nachhaltig.

Glänzende 2018er-Zahlen sollen noch mal übertroffen werden. Der im SDAX gelistete Optoelektronik-Spezialist (rund 4.000 Beschäftigte) schaffte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatzanstieg auf 834 Mio. € (+ 11,6 %) und verbesserte das Ebit erneut überproportional um 22 % auf 95 Mio. €. Die sehr guten vorläufigen Zahlen basierten insbesondere auf dem starken Geschäft mit Halbleiterausrüstern und der Auslieferung von Maut-Kontrollsäulen an Toll Collect. Die Dynamik blieb intakt, denn das letzte Quartal lief noch etwas besser, als nach den ersten neun Monaten zu erwarten war. Das immer höher gesteckte Ziel von zuletzt 820 bis 830 Mio. € wurde noch übertroffen. Zudem lag der Auftragseingang mit 874 Mio. € (+ 9 %) über dem Jahresumsatz. Das Management zeigt sich optimistisch und will das Wachstum noch beschleunigen, bis 2022 wird ein jährliches Umsatzplus im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich angepeilt.
Die „Strategie 2022“ unter dem Motto „More Light“ (wegen des Fokus auf Photonik) macht Lust zum Einstieg. Es geht um eine stärkere Internationalisierung im Sinne einer Produktion direkt vor Ort in den Weltregionen. Man will vom Sogeffekt der Photonik profitieren, während das mechatronische Geschäft (Segment „Defense & Civil Systems“ mit Kunden in der Luftfahrt, Sicherheits- und Verteidigungstechnik sowie Bahn) schwächer wächst. Dieses wird seit dem Herbst unter der eigenständigen Marke Vincorion geführt. Nach momentanem Stand soll Vincorion (leider noch) nicht verkauft werden, eine zukünftige Abspaltung deutet sich aber an: „Die Ära des Mischkonzerns neigt sich dem Ende entgegen,“ formulierte Jenoptik schon im Geschäftsbericht 2017. Künftig zielen die drei neuen Divisionen auf das OEM-Geschäft („Light & Optics“), auf Industriekunden („Light & Production“) sowie öffentliche Auftraggeber („Light & Safety“).

Die hohen Erwartungen, die Jenoptik in das US-Geschäft und in den „Campus“ in Rochester (im US-Bundesstaat Michigan) setzt, haben sich bisher erfüllt. In den ersten neun Monaten hatte man den Umsatz in der Region Amerika (auch akquisitionsbedingt) um 24,7 Prozent auf 149,7 Mio. € ausgebaut, die Region sorgte für rund 25 % der Erlöse. Mit dem Kauf der kanadischen Prodomax Automation in 2018 zielte Jenoptik auf Industrieautomationslösungen vor allem für den Bereich Automotive, dies wurde im Januar mit zwei Großaufträgen (rund 12 Mio. €) belohnt.

Jenoptik bedient ein breites Kundenspektrum von der Life-Science-Branche bis zu Behörden. Die wohl plakativste technische Anwendung von Jenoptik zielt auf die Kontrolle von Lkw-/Autofahrern: Es ist eine Messanlage zur „Abschnittskontrolle“ (Section Control), die das Land Niedersachsen zurzeit in einem 18-monatigen Versuch testet. Das System ermittelt das Tempo eines Kfz über die für einen längeren Streckenabschnitt benötigte Zeit. Die durchfahrenden Fahrzeuge werden am Beginn und am Ende eines Streckenabschnitts von sinnvoller Länge (z.B. 2 km) automatisch mit Kameras und Laserscannern erfasst. Ist die benötigte Zeit „zu kurz“, so werden die Fahrzeugdaten zwecks Ahndung der Tempoüberschreitung dokumentiert, inklusive des bekannten „Frontalbilds“. (Wird das Tempolimit eingehalten, so bleibt die Fahrt aus Datenschutzgründen anonym.) Die Nachbarländer Österreich und Schweiz praktizieren vergleichbare Kontrollverfahren schon längst. Wir hegen allerdings Zweifel, ob so ein System verfassungskonform sein kann. Zurück zum Zahlenwerk:

Jenoptik ist nicht ganz billig. Der Börsenwert von 1,8 Mrd. € liegt beim doppelten Umsatz und dem 23-fachen Gewinn, den wir bei 1,35 € je Aktie erwarten. Als Eigenkapital wurden zum Stichtag Ende September 565 Mio. € ausgewiesen. Im letzten Jahr war Jenoptik wegen seiner Kundschaft in der Automobilindustrie in einen Abwärtstrend gerutscht. Nach unserer Einschätzung kann es hier kaum schlimmer kommen und nur noch bergauf gehen. Entsprechend sollte jetzt, vor der Vorlage endgültiger Zahlen am 21. März, schon eingestiegen werden, um nicht hinterherzulaufen.

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