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VW will beim Börsengang der Lkw-Sparte Bewertungsreserven heben.

Bei der Abspaltung der Nutzfahrzeugsparte Traton drückt Volkswagen aufs Tempo. Es verdichten sich die Anzeichen, dass der Börsengang von Traton noch im April erfolgen soll. Mit dem IPO will der größte europäische Autobauer seinen Konglomeratsabschlag reduzieren und Bewertungsreserven heben. Auf der Zielgeraden könnte der Deal aber noch ins Schleudern geraten: Die Marktlage für Börsengänge kann schnell wechseln und Konkurrenten wie Daimler und Fiat stehen mit ähnlichen Plänen in den Startlöchern.

Der Zündschlüssel ist bereits umgedreht. 2015 hat VW seine Nutzfahrzeugaktivitäten unter dem Dach der Tochter Traton (damals noch VW Truck & Bus) zusammengeführt. Mit der Umwandlung der AG in eine europäische Gesellschaft (SE) wurden 2018 die Voraussetzungen für einen möglichen Börsengang geschaffen. Hauptmarken von Traton sind die beiden Lkw-Hersteller MAN und Scania. Die Rivalität der beiden Traditionsunternehmen hatte eine solche Allianz lange verhindert. Dazu kommt die Tochtergesellschaft Caminhões e Ônibus Volkswagen, die Busse und Lkws für den lateinamerikanischen Markt herstellt. Komplettiert wird Traton durch die Digitalmarke RIO, die per Digitalisierung der Ladungen und der Vernetzung der Lkws die gesamte Transportkette effizienter gestalten will. Die Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge, die den Markt der leichten Transporter abdeckt, gehört nicht mehr zu Traton, sondern wurde in die Volumengruppe des VW-Konzerns integriert. Traton und VW-Nutzfahrzeuge kooperieren aber. Partnerschaften hat Traton mit dem US-Hersteller Navistar und den asiatischen Lkw-Produzenten Hino und Sinotruk abgeschlossen.

Die seit 2015 von VW-Vorstand Andreas Renschler geführte Tochter hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, der „Global Champion der Transportbranche“ zu werden. Nebenbei soll laut Renschler der Transport für zukünftige Generationen ganz neu erfunden werden. Gemessen an diesem Ziel hat Traton noch eine deutliche Wegstrecke vor sich. 2017 erzielte die VW-Tochter einen Umsatz von 24 Mrd. €, während der heimische Konkurrent Daimler auf 36 Mrd. € kam. Die Traton-Marken MAN und Scania sind Marktführer in Deutschland, Europa und Brasilien. In den wichtigen Märkten USA und Asien, wo die Lkw-Branche 60 % ihrer Gewinne erwirtschaftet, ist Traton allerdings eher schwach vertreten. Mit den Erlösen aus einem Teilbörsengang bekäme die VW-Tochter aber die notwendigen Mittel an die Hand, um beispielsweise den Anteil an dem US-Hersteller Navistar aufzustocken. Im Rahmen der 2016 abgeschlossenen strategischen Allianz hat sich Traton mit 16,6 % an Navistar beteiligt. Außerdem betreiben beide Partner ein Joint Venture beim Einkauf.

Auch in anderer Hinsicht würde der IPO von Traton einen Befreiungsschlag darstellen: Nach Ansicht vieler Analysten sind die Einzelteile des VW-Konzerns in der Summe mehr wert als die aktuelle Marktkapitalisierung. Der Börsengang wäre ein wichtiger Schritt, um diesen Konglomeratsabschlag zu reduzieren. Ein erfolgreicher IPO von Traton könnte dabei als Blaupause für andere Börsengänge im weitgespannten Reich von VW dienen, wie im Januar VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh gegenüber der „Börsen-Zeitung“ andeutete. Die Konkurrenz schaut nicht tatenlos zu. So will Daimler die eigene Lkw-Tochter ebenfalls an die Börse bringen. Fiat hegt für die Tochter Iveco ähnliche Pläne.

Das positive Marktsentiment spricht für einen zügigen Börsenlaunch. Falls sich die Konjunktur allerdings kurzfristig eintrübt, kann die Stimmung hier aber schnell umschlagen. Nach den jüngsten Meldungen wird der IPO für die zweite Aprilhälfte angestrebt (Börsennotiz in Frankfurt und Stockholm). Traton-Chef Renschler wirbt mit einer Umsatzrendite von 9 % um institutionelle Ankerinvestoren. Bei einer voraussichtlichen Gesamtbewertung von 20 bis 25 Mrd. € dürfte das Emissionsvolumen bei 5 bis 6 Mrd. € liegen.

Der Anleger steht damit vor der Wahl: VW oder Traton.
Die VW-Aktie dürfte von dem möglichen Abbau des Konglomeratabschlags profitieren. Mit einem 2019er-KGV von rund 5,2 (!) ist der DAX-Titel mehr als moderat bewertet. Andererseits steht VW wie die gesamte Autoindustrie vor gewaltigen Herausforderungen. So muss der Abschied vom Verbrennungsmotor bewältigt werden, während neue Geschäftsfelder wie Elektromobilität und autonomes Fahren hohe Investitionen erfordern. Deshalb dürfte ein direktes Investment in Traton die Chance auf einen schnelleren Kursgewinn bieten. Insofern sind die Anleger gut beraten, sich am IPO der VW-Tochter zu beteiligen. In der letzten Phase der zyklischen Hochkonjunktur kann auf Emissionsgewinne spekuliert werden.

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